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Eine
andere Sicht
Es
gibt sehr interessante Denkansätze, die davon ausgehen, dass die
meisten kreativ Hochbegabten und auch viele ADSler anders denken
- nämlich hauptsächlich visuell.
Visuell denkende Menschen erleben ihre gesamte Welt anders - sie denken
vornehmlich mit der rechten Hirnhemisphäre, d. h., sie stellen sich
alles was sie hören, lesen und schreiben (unbewusst) dreimimensional
vor (natürlich wird auch die andere Hirnhälfte zum Denken eingesetzt,
aber der Mensch neigt dazu, sich zu spezialisieren ...)
Bei allen Denkprozessen läuft vor ihrem inneren Auge blitzartig ein
Film ab. Man kann sich dies vorstellen wie ein Hologramm - alle Gedanken
überlagern sich gegenseitig.
Man
weiß, dass es verschiedene Lerntypen gibt:
- Auditorisch
sequentieller Lerntyp
Hier geschieht die Begriffsbildung mittels der Laute der Wörter.
Dieses verbale Denken folgt der Struktur der gesprochenen Sprache.
Denkt man verbal, werden Wörter zu Sätzen aneinandergereiht.
Dieses Denken vollzieht sich in etwa in Sprechgeschwindigkeit, ca. 150
- 200 Wörter pro Minute.
- Visuell
räumlicher Lerntyp
Hierbei werden während des Denkprozesses immer weitere Begriffe
hinzugefügt - der Mensch denkt nonverbal. Dies läuft
so schnell ab, dass man es nicht bemerkt, es geschieht unbewusst. Das
nonverbale Denken ist womöglich tausendmal schneller als verbales
Denken.
Die
folgende Gegenüberstellung macht deutlich, was die beiden Lerntypen
im Wesentlichen unterscheidet:
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Auditorisch
sequentieller Lerntyp
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Visuell
räumlicher
Lerntyp
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| Lernt
Schritt für Schritt |
Lernt
als Ganzes |
| Lernt
aus Erfahrung, Fehlern |
Lernt
durch Konzepte |
| Verarbeitet
übers Hören |
Verarbeitet
übers Sehen |
| Sieht
die Details |
Sieht
das Gesamte, ohne Details |
| Befolgt
mündliche Erklärungen |
Befolgt
schriftliche Erklärungen |
| Zieht
Erklärungen als Text vor |
Zieht
Skizzen vor |
| Gutes
Kurzzeitgedächtnis |
Gutes
Langzeitgedächtnis |
| Lernt
durch Zuhören |
Lernt durch lesen/schreiben/tun |
| Gute
Handschrift |
Schlechte
Handschrift |
| Kann
sich gut organisieren |
Organisiert
sich nach eigenen Methoden |
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Lernt erst das Einfache, dann das Schwierige |
Lernt
das Schwierige, versagt beim Einfachen |
| Lernt
nach vorgegebenen Modellen |
Erstellt
sich eigene Modelle |
| Kann
Lösungswege leicht aufzeigen |
Kommt
intuitiv zur Lösung |
| Braucht
Wiederholungen des Lehrstoffes |
Wird
ausgeschaltet durch Wiederholungen |
| Gut
in zeitlich beschränkten Tests |
Arbeitet
besser ohne zeitliche Beschränkung |
| Ist
zufrieden mit einer Antwort |
Fragt
weiter |
| Lernt
ohne Ansehen der Person |
Emotional stark abhängig vom Lehrer |
| Entwickelt
sich regelmässig |
Entwickelt
sich asynchron |
Gleichmässige
Leistungen
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Schwankende
Leistungen |
| Akademisch
talentiert |
Kreativ,
technologisch oder emotional begabt |
| Früher
reif |
Später
reif |
Erledigt
eine Aufgabe nach der anderen
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Macht
mehrere Dinge gleichzeitig |
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Geht ernsthaft an Probleme heran |
Geht
spielerisch an Probleme heran |
| Verarbeitet
Informationen sequentiell |
Verarbeitet
Informationen holistisch |
| Lernt
Fremdsprachen durch aktives lernen |
Lernt Fremdsprachen durch Immersion |
| Kann
leicht auswendig lernen |
Muss Konzepte erkennen |
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Denkt konvergent (einheitlich, übereinstimmend)
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Denkt
divergent (auseinanderstrebend, abweichend) |
Wenn
wir nun voraus setzen würden, dass das visuelle Denken auf alle kreativ
Hochbegabten zutrifft, liegt es konsequenterweise immer dann vor, wenn
das Kind gleichzeitig ADS hat. Und hier liegt meines Erachtens ein ganz
wichtiger Punkt im Lern-, aber auch im Lehrverhalten.
Unsere Schulen sind auf lineares, sequentielles Lehren ausgerichtet -
genau hier müsste ein generelles Umdenken einsetzen.
Man müsste begreifen, dass es Kinder gibt, die "anders"
lernen, da sie "anders" begreifen, verstehen, denken ...
Das linear denkende Kind (auditiv sequentieller Lernstil) erlernt durch
Auswendig lernen bzw. durch Weiterführung des erlernten Wissens (1+1+1=3).
Das visuell denkende Kind (visuell räumlicher Lerntyp) erlernt wesentlich
einfacher durch Vorstellung (auf dem Tisch liegen 1 roter Apfel + 1 grüner
Apfel + 1 gelber Apfel = 3 Äpfel).
Ebenso
verhält es sich mit dem Schreiben(lernen). Das visuell denkende Kind
tut sich wesentlich leichter, wenn es die Wörter visualisieren kann
(vorstellen; im Sinne von "die Sache konkret vor sich sehen").
Hierzu ein Beispiel:
Das Kind soll das Wort "Motte" schreiben. Es "sieht"
vor seinem inneren Auge bei diesem Wort einen Falter, der durchs Zimmer
fliegt, oder an der Wand sitzt, oder die Lampe umkreist - aber es sieht
nicht die Buchstaben, die aneinander zu reihen sind (weil die Buchstaben
"abstrakt" sind).
Wenn man diesem Kind nun die beiden Silben "Mot" und "te"
verschiedenfarbig aufschreibt - also Mot
te (vielleicht einen kleinen
Falter dazumalt), so wird das
Kind beim nächsten Mal, wenn es Motte schreiben soll, die beiden
farbigen Silben mit dem Falter assoziieren ... und das Wort richtig schreiben.
Gerade
Kinder mit Legasthenie können
von dieser Methode profitieren. Nicht ständiges Wiederholen des selben
Wortes, sondern "Begreifen" und "Assoziieren" des
Wortes führen hier oftmals zum Erfolg.
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Jeffrey
Freed, ein amerikanischer Kindertherapeut, der zunächst mit hochbegabten
und im weiteren Verlauf mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern gearbeitet
hat, beschreibt in seinem Buch "Right-Brained Children in a Left-Brained
World" die vornehmlich visuelle Denkweise dieser Kinder. Er gibt
in diesem Buch viele praktische Hilfestellungen zum Lernen - aber auch
zum Lehren.
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(Das
Buch heißt in der deutschen Übersetzung "Zappelphilipp
und Störenfrieda lernen anders" - ich finde
den Titel sehr unglücklich, da es sich eben nicht nur um hyperaktive
oder impulsive ADS-Kinder handelt, sondern gezielt die Probleme
der mangelnden Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit behandelt
unter Sicht einer anderen, visuellen Denkweise).
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Freed
hat spezielle Übungsprogramme entwickelt, mit deren Hilfe Eltern ihren Kindern
einen völlig neuen Zugang zur Welt des Lernens eröffnen können. Diese Übungen
setzen bei den speziellen Stärken aufmerksamkeitsgestörter Kinder an. Sie
sind leicht anwendbar, erfordern wenig Zeitaufwand und können den Kindern
ein ganz neues Selbstbewußtsein vermitteln.
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